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PV-Anlagencheck Solaranlage Inspektion Anlagensicherheit

Verschmutzte Solarmodule kosten bis zu 20 % Ertrag.

Sascha Wyss
Sascha Wyss
Stell dir vor, du wirfst jeden Monat mehrere Hundert Franken direkt in den Müll. Klingt übertrieben? Leider ist das für viele Betreiber von Photovoltaikanlagen in der Schweiz Realität. Wir haben bereits in einem ersten Blog berichtet. "Hilf Regen bei verschmutzten Solarmodulen. [1]

Staub, Pollen, Vogelkot oder industrielle Ablagerungen können den Ertrag deiner Solaranlage um bis zu 20% reduzieren, oft unbemerkt. Besonders tückisch:
Die Anlage funktioniert technisch einwandfrei, doch die Stromproduktion bleibt deutlich unter dem Soll.

Aus unserer Praxis wissen wir: Die meisten Anlagenbetreiber haben keine transparente Grundlage, um zu erkennen, wie viel Geld sie tatsächlich verlieren. Dabei sprechen wir nicht von ein paar Franken, sondern von 500 bis 3’000 CHF pro Jahr, abhängig von Anlagengrösse, Nutzung und Standort.

1. Der schleichende Leistungsverlust beginnt früher als gedacht

Verschmutzung startet unmittelbar nach der Inbetriebnahme. Schon nach wenigen Wochen lagern sich mikroskopische Partikel auf der Glasoberfläche ab. Diese wirken wie ein Filter und reduzieren die Lichtdurchlässigkeit.

Studien aus dem Schweizer Forschungsumfeld (u. a. ETH-nahe Untersuchungen) zeigen:

  • leichte Verschmutzung: 5–8 % Leistungsverlust
  • mittlere Verschmutzung: 12–18 % Leistungsverlust
  • starke Verschmutzung: 20–25 % Leistungsverlust

Besonders kritisch wird es bei ungleicher Verschmutzung: Punktuelle Abschattungen (z. B. durch Vogelkot) führen zu sogenannten Hot-Spots. Diese senken nicht nur den Ertrag, sondern können langfristig die Modulsubstanz schädigen, ein Thema, das auch in Richtlinien des Bundesamt für Energie im Zusammenhang mit Anlagenbetrieb und Lebensdauer immer wieder aufgegriffen wird.[2]
 

2. Die ehrliche Schweizer Rechnung: Was kostet dich das wirklich?

Nehmen wir ein realistisches Beispiel:
Eine 10-kWp-Anlage (Einfamilienhaus Schweiz)
  • Jahresertrag: ca. 10’000 kWh
  • Stromwert Eigenverbrauch: ca. 0.25 CHF/kWh
Bei 5% Verschmutzung
  • Verlust: 500 kWh
  • Kosten: 125 CHF pro Jahr
  • über 25 Jahre: 3'125 CHF
 Bei 10 % Verschmutzung
  • Verlust: 1’000 kWh
  • Kosten: 250 CHF pro Jahr
  • über 25 Jahre: 6’250CHF
Bei 20 % Verschmutzung
  • Verlust: 2’000kWh
  • Kosten: 500CHF pro Jahr
  • über 25 Jahre: 12’500 CHF
Bei grösseren Anlagen (z. B. 30 kWp Gewerbe) steigen diese Beträge schnell auf über 1’500 CHF pro Jahr ohne Berücksichtigung künftig steigender Strompreise.

Solarpannel Verschmutzung
1 Verschmutztes Solarpannel
Verschattung Solarpannel

2 Bild Verschattung durch Vegetation

Grafik Einnahmenverluste-1

3. Einnahmeverluste grafisch dargestellt

Als Berechnungsgrundlage wurde eine 10-kWp-Anlage gewählt mit meiner Rückvergütung von 0.25 CHF/kWh. Diese Anlage würde im Durchschnitt 2500 CHF Jahresertrag erreichen. Darstellung bei 5%, 10% und 20% Verlust pro Jahr.

3. Regionale Unterschiede in der Schweiz

Nicht jede Anlage ist gleich stark betroffen:
  • Mittelland & Landwirtschaft: Staub, Pollen, Ernteemissionen
  • Städte (z. B. Zürich, Basel): Feinstaub, Verkehr, Industrie
  • Seenähe: Mineralische Rückstände, Wasserflecken
  • Alpenregionen: weniger Feinstaub, aber Saharastaub-Ereignisse
Messreihen des Bundesamt für Energie zeigen:
Selbst in „sauberen“ Regionen treten ohne aktive Betreuung 7–10 % Ertragsverluste innerhalb weniger Monate auf.
 

4. Die fünf teuersten Verschmutzungsarten

  1. Vogelkot: lokal bis zu 40–50 % Leistungsverlust pro Modul
  2. Staub & Pollen: flächendeckend 5–10 %
  3. Industrie- & Russablagerungen: dauerhaft 8–15 %
  4. Laub & organisches Material: punktuelle Totalausfälle
  5. Saharastaub: kurzfristig 15–25 % Leistungsverlust

5. Vier Warnsignale, die du ernst nehmen solltest

  1. Abweichung im Monitoring > 5 % über mehrere Tage
    Vergleich mit Referenzanlagen in deiner Region
  2. Sichtbare Flecken oder Schlieren (auch vom Boden aus)
  3. Hot-Spots in Thermografie-Aufnahmen
  4. Gerade Letzteres ist ein wichtiger Bestandteil professioneller Anlagenchecks nach Schweizer Best-Practice-Standards.

6. Wann lohnt sich eine Reinigung wirtschaftlich?

In der Schweiz kostet eine professionelle Reinigung typischerweise 200–400 CHF (EFH-Bereich).

Faustregel aus der Praxis:
Wenn sich die Reinigung innerhalb von 12 Monaten amortisiert, lohnt sie sich.

Bei 10 % Ertragsverlust ist dieser Punkt meist bereits nach einem Jahr erreicht, bei Gewerbeanlagen oft schon nach wenigen Monaten.


7. Langfristige Schäden werden oft unterschätzt

Bleibt Verschmutzung über Jahre bestehen, drohen:
  • dauerhafte Schädigung der Antireflex-Beschichtung
  • beschleunigte Modul-Degradation
  • erhöhte Ausfall- und Reparaturkosten
  • verkürzte Lebensdauer der Gesamtanlage
Kostenfolgen von 1’000–3’000 CHF pro Modul sind in der Praxis keine Seltenheit.

Fazit

Verschmutzte Solarmodule sind keine Kleinigkeit, sondern stille Ertragskiller. Wer sich ausschliesslich auf Regen verlässt, verschenkt über die Lebensdauer einer Anlage fünfstellige Frankenbeträge.

Die gute Nachricht:
Mit Monitoring, regelmässigem Anlagencheck und gezielten Massnahmen lassen sich diese Verluste fast vollständig vermeiden – wirtschaftlich sinnvoll und normkonform für den Schweizer Markt.

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