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Ertragseinbruch bei der PV-Anlage: Ab wann ist weniger Strom «nicht normal»?

Geschrieben von Sascha Wyss | 24.06.2026 07:41:57

Wer kennt das nicht: Man wirft einen Blick ins Wechselrichter-Portal – und die Anlage liefert spürbar weniger als im letzten Jahr. Sofort kommt die Frage: Ist das noch normal, oder stimmt da etwas nicht?

Jede Solaranlage produziert mal mehr, mal weniger Strom. Ein verregneter Juni, ein paar trübe Wochen im Herbst – und schon liegt der Ertrag unter dem Vorjahr. Das ist normal. Die schwierige Frage ist eine andere: Ab wann ist weniger Strom kein Wetter mehr, sondern ein Problem?

Viele Eigentümerinnen und Eigentümer beantworten diese Frage aus dem Bauch heraus. «Es war halt ein schlechter Sommer.» Manchmal stimmt das. Manchmal verdeckt diese Erklärung aber einen defekten Wechselrichter, einen abgeschalteten Strang oder eine schleichende Verschmutzung, die jeden Monat Geld kostet. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie beide Fälle auseinanderhalten – mit Schwellenwerten statt Bauchgefühl.

Warum schwankt der Ertrag überhaupt?

Bevor man von einem Problem spricht, muss man die normale Schwankungsbreite kennen. Der Stromertrag einer PV-Anlage hängt von Faktoren ab, die nichts mit ihrem Zustand zu tun haben:

Die Sonneneinstrahlung schwankt von Jahr zu Jahr. Zwischen einem sonnenreichen und einem trüben Jahr liegen am gleichen Standort schnell 5 bis 10 Prozent Unterschied – ganz ohne technischen Defekt. Dazu kommt der Jahresverlauf: Im Dezember produziert dieselbe Anlage einen Bruchteil dessen, was sie im Juni liefert. Ein Vergleich «dieser Monat gegen letzten Monat» sagt deshalb wenig aus. Aussagekräftig ist nur der Vergleich mit demselben Monat im Vorjahr – oder besser noch mit der erwarteten Produktion am konkreten Standort.

Kurz: Ein einzelner schwacher Monat ist selten ein Alarmzeichen. Ein Muster über mehrere Monate dagegen schon.

Die entscheidende Kennzahl: Performance Ratio

Wer Ertrag sauber beurteilen will, schaut nicht nur auf die Kilowattstunden, sondern auf die Performance Ratio (PR). Sie beschreibt das Verhältnis zwischen dem, was die Anlage tatsächlich produziert hat, und dem, was sie bei der real gemessenen Einstrahlung hätte produzieren können. Die PR rechnet das Wetter also heraus – und genau das macht sie so nützlich.

Als Faustregel gilt:

  • Eine PR zwischen 75 % und 85 % ist ein guter, normaler Wert für eine gut funktionierende Anlage.
  • Eine PR unter 70 % ist ein deutliches Warnsignal. Dann steckt meist mehr dahinter als Wetter: Verschattung, Verschmutzung, ein defektes Modul oder ein Problem am Wechselrichter.

Zur Einordnung: Eine Auswertung von rund 1'700 Schweizer Anlagen ergab im Mittel eine PR von gut 0,75. Ihre Anlage sollte sich also in dieser Grössenordnung oder darüber bewegen. Liegt sie dauerhaft darunter, lohnt sich ein genauerer Blick.

Der Vorteil der PR: Sie können den Wert über Jahre vergleichen, unabhängig davon, ob der Sommer gut oder schlecht war. Sinkt die PR von Jahr zu Jahr, verliert die Anlage real an Leistung – und das ist nie nur Zufall.

Klare Schwellenwerte – wann Sie genauer hinschauen sollten

Damit Sie nicht jeden trüben Monat zum Notfall erklären, hier praktische Schwellenwerte. Sie ersetzen keine Messung, geben aber eine verlässliche Orientierung:

Noch im normalen Bereich: Der Ertrag liegt im gleichen Monat bis zu rund 10 Prozent unter dem Vorjahr, und das Wetter war erkennbar schlechter (weniger Sonnenstunden). Einzelne schwache Wochen ohne Muster.

Genauer hinschauen: Der Ertrag liegt mehr als 15 Prozent unter dem Vorjahresmonat, obwohl das Wetter vergleichbar war. Oder: Der Rückgang zieht sich über mehrere Monate hin und wird nicht besser. Oder: Ein einzelner Strang oder ein Wechselrichter liefert auffällig weniger als die anderen.

Sofort handeln: Die Anlage produziert plötzlich deutlich weniger oder gar nichts, der Wechselrichter zeigt eine Fehlermeldung, oder das Monitoring meldet einen kompletten Ausfall einzelner Strings. Hier zählt jeder sonnige Tag, an dem nichts produziert wird, direkt als Verlust.

Der wichtigste Punkt: Es geht nicht um den absoluten Wert an einem einzelnen Tag, sondern um die Abweichung vom Erwartbaren – über einen sinnvollen Zeitraum betrachtet.

Die häufigsten Ursachen für echten Minderertrag

Wenn die Zahlen tatsächlich auf ein Problem hindeuten, sind es meist eine Handvoll Ursachen. Eine grobe Einordnung der typischen Verlustgrössen hilft, das Ausmass einzuschätzen:

Verschmutzung. Staub, Pollen, Laub oder Vogelkot reduzieren den Jahresertrag je nach Lage um rund 3 bis 7 Prozent. Bei flach verlegten Modulen oder in der Nähe von Landwirtschaft und Bäumen kann es mehr sein. Das passiert schleichend – und fällt ohne Monitoring oft jahrelang nicht auf.

Verschattung. Ein gewachsener Baum, ein neuer Anbau, eine Antenne: Schon eine teilverschattete Zelle kann einen ganzen Strang ausbremsen. Teilverschattung eines Moduls kann rund 10 Prozent kosten.

Wechselrichter. Der Wechselrichter ist das Bauteil mit der kürzesten Lebensdauer einer PV-Anlage. Fällt er aus oder reduziert er, steht oder schwächelt im schlimmsten Fall die ganze Anlage. Ein häufig unterschätzter Punkt, weil viele Anlagen nicht überwacht werden und der Ausfall erst bei der Stromrechnung auffällt. Genau hier setzt ein professionelles Solar-Monitoring an: Es meldet einen Ausfall, bevor er auf der Rechnung sichtbar wird.

Defekte Module oder Verkabelung. Einzelne ausgefallene Module, korrodierte Steckverbindungen oder beschädigte Kabel ziehen den Ertrag dauerhaft nach unten.

Abregelung und Auslegung. Seit 2026 dürfen neue Anlagen bis 1'200 m ü. M. nur noch maximal 70 Prozent der Modulleistung gleichzeitig einspeisen. Das kostet über das Jahr aber nur einen kleinen Anteil (begrenzt auf rund 3 Prozent der Jahresproduktion) – ein leichter Rückgang aus diesem Grund ist also normal und kein Defekt. Auch eine nicht optimale Ausrichtung oder ein unpassend dimensionierter Wechselrichter mindern den Ertrag dauerhaft, sind aber keine Störung, sondern Auslegung.

Warum das Erkennen 2026 wichtiger ist denn je

Früher konnte man einen Minderertrag noch über die Einspeisevergütung halbwegs verschmerzen. Das hat sich geändert. Seit 2026 richtet sich die Vergütung für eingespeisten Strom nach dem Referenzmarktpreis und fällt damit deutlich tiefer aus als noch vor wenigen Jahren – im Sommer teils unter 4 Rappen pro Kilowattstunde. Ab Mitte 2026 wird zudem auf den stündlichen Spotmarktpreis umgestellt, was die Einspeisung im sonnenreichen Mittagsbereich noch unattraktiver macht.

Das verschiebt den Wert jeder Kilowattstunde klar in Richtung Eigenverbrauch. Selbst genutzter Strom ersetzt teuren Netzstrom und ist damit deutlich mehr wert als eingespeister. Genau deshalb tut jeder unbemerkte Minderertrag heute mehr weh: Es fehlt nicht nur etwas Einspeisevergütung, sondern günstiger Eigenstrom, den Sie sonst teuer zukaufen müssen. Wer seine Anlage überwacht, schützt also direkt seine Stromkosten.

So behalten Sie den Überblick – ohne Fachwissen

Sie müssen kein Techniker sein, um einen Ertragseinbruch früh zu erkennen. Drei einfache Gewohnheiten reichen weit:

Erstens: Notieren Sie einmal pro Monat den Zählerstand oder den Monatsertrag aus dem Wechselrichter-Portal und vergleichen Sie ihn mit dem Vorjahresmonat. Zweitens: Achten Sie auf Muster, nicht auf Einzelwerte – ein schwacher Monat ist normal, drei in Folge nicht. Drittens: Richten Sie, wenn möglich, eine automatische Benachrichtigung im Monitoring ein, die Sie bei Ausfällen oder starken Abweichungen warnt. So merken Sie einen stehenden Wechselrichter in Tagen statt in Monaten.

Ein gutes Monitoring kostet wenig und bezahlt sich beim ersten erkannten Ausfall meist selbst. Es macht aus dem Bauchgefühl «irgendwie weniger» eine belastbare Zahl.

Fazit

Weniger Ertrag ist nicht automatisch ein Problem – aber er ist immer ein Grund, genauer hinzuschauen. Die Faustregeln: Ein einzelner schwacher Monat ist Wetter. Mehr als 15 Prozent unter Vorjahr bei vergleichbarem Wetter, ein Rückgang über mehrere Monate oder eine Performance Ratio unter 70 Prozent sind Warnsignale. Ein plötzlicher Totalausfall ist ein Sofortfall.

Wer seine Anlage mit klaren Schwellenwerten beobachtet statt nach Gefühl, erkennt echte Probleme früh – und verliert nicht Monat für Monat günstigen Eigenstrom. Gerade 2026, mit tiefen Einspeisetarifen, zählt jede selbst genutzte Kilowattstunde.

Unabhängiger Anlagencheck von EP Vision

Sie sind unsicher, ob der Ertrag Ihrer Anlage noch im normalen Bereich liegt? Wir schauen unabhängig und herstellerneutral hin – mit konkreten Zahlen statt Vermutungen. EP Vision analysiert die Leistung Ihrer PV-Anlage über ein kontinuierliches Monitoring, ordnet Abweichungen ein und zeigt, ob und wo sich ein Eingriff lohnt. Für Mehrfamilienhäuser und Areale übernehmen wir auf Wunsch auch die Energieabrechnung (ZEV/vZEV). Wir verkaufen keine Anlagen, wir sorgen dafür, dass Ihre Anlage langfristig wirtschaftlich läuft.

Melden Sie sich für einen unabhängigen Anlagencheck: www.ep-vision.ch

Quellen

  1. Swissolar – Was gilt 2026 neu für Photovoltaikanlagen?
  2. EKZ – Neun Fakten zu den Rückliefertarifen 2026
  3. photovoltaik.sh – Performance Ratio
  4. Bulletin (Electrosuisse) – Performance von PV-Anlagen unter der Lupe
  5. Pronovo – Einmalvergütung Photovoltaik